Presseberichte 2017

 Bericht der Stadtrundfahrt „Stuttgart“ mit Besuch des Fernsehturms

 anlässlich 40 Jahre Frauenchor am Samstag,  15. September  2018

 

  

Bei schönstem Spätsommerwetter trafen wir uns (34 Sängerinnen incl. 5 Gäste) um 13.00 Uhr auf dem Karlsplatz hinter dem Alten Schloss, wo ein komfortabler Reisebus und die Gästeführerin Gaby Leicht auf uns wartete. Schade, dass einige Sängerinnen wegen Urlaub, Krankheit und persönlicher Termine nicht mitkommen konnten. 

   

Nach einer schwäbischen Begrüßung und nur wenigen Metern Busfahrt befanden wir uns bereits an der ersten Station unserer Tour: am Eingang zum Dorotheenquartier. Frau Leicht berichtete, dass die Firma Breuninger als Bauherr dieses Viertels gemeinsam mit dem renommierten Architekten Behnisch sich hier ein „Foyer“ zu ihrem Kaufhaus geschaffen hat mit einer Mischung aus hochwertigen Geschäften, gemütlichen Cafés, ausgesuchten Restaurants, Büros und Wohnungen. „Hier können die Damen stresslos Shoppen, während ihre Männer in einer der Lokalitäten auf sie warten.“

 

Das Hotel Silber in der Dorotheenstraße, die ehemalige Gestapo-Zentrale, wurde als  historischer Lern- und Gedenkort erhalten.

   

Nach einer kurzen Fahrt machten wir vor dem Landtag von Baden-Württemberg halt. Außer dem Landtag konnten wir vor uns die Domkirche St. Eberhard sehen, rechts von uns das Große Haus der Staatstheater und hinter uns standen das Haus der Geschichte sowie das Haus der Abgeordneten des Landtags. Frau Leicht erzählte uns Geschichtsträchtiges zur evangelischen und katholischen Kirche sowie zum Landtag. Seit 1987 ergänzt das Haus der Abgeordneten das Haus des Landtags - Platzgründe sowie gestiegene technische Anforderungen machten es nötig. Beide Bauwerke sind durch einen unterirdischen Tunnel „die Beamtenlaufbahn“ miteinander verbunden.

 

Die Staatstheater Stuttgart - mit Oper, Ballett und Schauspiel - sind das größte Drei-Sparten-Theater der Welt. Als einziges Theater Deutschlands befindet sich sein Zugang nicht an einer Straße, sondern an einem Park, in dem die Besucher auch während der Pausen flanieren können.

  

Über die Hauptstätter Straße, deren Namen übrigens nicht von „Hauptstadt“ kommt, sondern daher, dass sie am ehemaligen Henkersplatz (dem heutigen Wilhelmsplatz) vorbeiführt, geht es in die Eberhardstraße, vorbei am Tagblatturm und dann zurück entlang des „Bohnenviertels“ zum Charlottenplatz. Als wir am Olgaeck in die Alexanderstraße einbiegen, können wir eines von „Stuttgarts Stäffele“ sehen und weiter auf der Höhe den Galateabrunnen auf dem Eugensplatz. Galatea ist in der griechischen Sagenwelt die Tochter des greisen Meergottes Nereus und seiner Meerfrau Doris. 1890 wurde die monumentale Brunnenanlage mit der Bronzefigur  (von Architekt und Bildhauer Otto Rieth), die von Königin Olga, der Gemahlin von König Karl gestiftet wurde, eingeweiht. Allerdings stieß sich die Bevölkerung  an der spärlichen Bekleidung und den üppigen Rundungen der schönen Galatea. Erst  aufgrund der Drohung, die Figur umzudrehen, so dass sie der Stadt ihren „Allerwertesten“ zuwende, ließ das „Gebruddel“ nach.

  

Mit dem Bus gings weiter in die Höhe bis wir in der Richard-Wagner-Straße die Villa Reitzenstein, den Amtssitz des  Staatsministeriums Baden-Württemberg und dessen amtierendem Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann erreichten. Die herrliche Park-anlage der Villa öffnet ihre Pforten von Frühjahr bis Herbst an ca. 14 Samstagen im Jahr auch für zahlreiche Besucherinnen und Besucher.

 

Bei einem Stopp am Wieland-Wagner-Platz bekamen wir die Möglichkeit auszusteigen und Stuttgarts Talkessel zu bestaunen. Die Aussicht war bestens und Stuttgart „lag uns zu Füßen“. Frau Leicht, bestens informiert, benannte uns die Hügel, Orte, Kirchen und Gebäude, die wir von oben erspähten. Auch der Hauptbahnhof mit seiner Gleisanlage, der bis 2025 durch einen tiefliegenden Durchgangsbahnhof ersetzt werden soll, war gut sichtbar.

 

Auf den frei werdenden Gleisflächen hinter dem heutigen Kopfbahnhof soll ein modernes und nachhaltig gestaltetes neues Stadtviertel mit Wohnbebauung und Gewerbenutzung entstehen.

   

Auf dem Weg zum Fernsehturm Stuttgart erfuhren wir dann einiges zu dessen Bau:

 

Der Fernsehturm, konstruiert vom Stuttgarter Ingenieur Prof. Dr. Fritz Leonhardt, war der weltweit Erste seiner Art. Der 217 m hohe Turm wurde nach einer Bauzeit von nur 20 Monaten am 5. Februar 1956 eingeweiht. Die Baukosten betrugen 4,2 Millionen D-Mark.
Im Turmkorb befinden sich Senderäume des SWR (Südwestrundfunk), eine Veranstaltungsebene, ein Café und in 150 Metern Höhe zwei Aussichtsplattformen.  

 

2013 wurde der Fernsehturm aus Brandschutzgründen für Besucher geschlossen.  Nach sicherheitstechnischen Nachrüstungen wurde er im Januar 2016 neu eröffnet. Aus Sicherheitsgründen sind aktuell max. 320 Besucher gleichzeitig auf der Aussichtsplattform zulässig.

 

Wir hatten Glück und mussten nicht lange warten bis uns einer der beiden Aufzüge nach oben auf die Aussichtsplattformen brachte. Der Ausblick über die Stadt bis hin zum Schwarzwald und der Schwäbischen Alb war herrlich.

  

Nachdem jede ihren Sitzplatz im Bus wieder eingenommen hatte, fuhren wir auf der neuen Weinsteige zurück in die Stuttgarter Innenstadt, am Hauptbahnhof vorbei bis zu den Neubauten des Europaviertels. Wir passierten die neue Bücherei und die Baustelle von S 21 sowie das Milaneo, ein Einkaufszentrum mit 200 Shops und Gastrobetrieben. Auch Neubau-wohnungen wurden hier erstellt, die sehr preisintensiv sind – allerdings fehlt es in Stuttgart  aber an bezahlbarem Wohnraum.

  

In der Cannstatter Straße kamen wir am Neckartor an den feinstaubintensivsten Ort unserer „Landesstaubstadt“. Wir passierten die Messanlage mit  vorgeschriebenem Tempo 40 – lt. Frau Leicht wären die Feinstaubwerte allerdings deutlich geringer, wenn die Straßen-reinigung  mit denselben Nass-Saugreinigern wie sie momentan auf der Baustelle S 21 eingesetzt werden vorgenommen würde. Ein Versuch hätte dies bestätigt.

 

Um 15.40 Uhr erreichten wir wieder den Karlsplatz, wo wir uns von unserem Busfahrer verabschiedeten, der uns geschickt und sicher auf Stuttgarts Höhen, durch enge Straßen und viele Baustellen manövriert hatte.

  

Links von uns war nun die Markthalle zu sehen, zu deren Geschichte Frau Leicht folgendes berichtete: 1864 schenkte König Wilhelm I. von Württemberg seiner Hauptstadt eine  Markthalle. Grund dafür war der Tod einer Bauersfrau, die nach Stuttgart gekommen war, um ihren Kohl zu verkaufen und nach einem plötzlichen Wetterumschwung im Freien erfror. Von Beginn an erwies sich die Grundfläche der Halle als zu klein um alle Marktbetreiber aufzunehmen. Fast 50 Jahre später wurde dieser Mangel durch einen größeren Neubau von Martin Elsässer behoben. Heute ist sie eine gern besuchte Einkaufsstätte mit ca. 33  Verkaufsständen, an denen internationale, nationale und regionale Waren und Spezialitäten zu gehobenen Preisen angeboten werden.

   

Zu Fuß gingen wir vom Karlsplatz in den Innenhof des Alten Schlosses. Da dieser eine sehr gute Akustik hat, sangen wir dort zu Ehren von Graf Eberhard im Bart die erste und letzte Strophe des Liedes „Preisend mit viel schönen Reden“. Den Text hatte uns unsere Gästeführerin mitgebracht.

   

Die Führung endete auf dem Schlossplatz, wo wir noch das Neue Schloss ins Visier nahmen:

 

Herzog Carl Eugen von Württemberg ließ 1746 den Grundstein für dieses Schloss legen, die letzte barocke Residenzschlossanlage in Deutschland. Bis auf einige Jahre, in denen der Herzog die Residenz ins Schloss nach Ludwigsburg verlegte, residierten dort bis um die Mitte des 19. Jahrhunderts die württembergischen Könige.
Der Zerstörung des Neuen Schlosses im Jahr 1944 folgte von 1958 bis 1964 der Wieder-aufbau. Heute nutzt die Landesregierung den Mitteltrakt  für repräsentative Empfänge und Veranstaltungen. In den Seitenflügeln ist das Ministerium für Finanzen und Wirtschaft untergebracht.

   

Um 16.00 Uhr verabschiedete sich Gaby Leicht von uns und wir machten uns auf ins „Weltcafe“ an der Planie. Mit Kaffee und Kuchen oder einem Erfrischungsgetränk ging dort ein schöner Nachmittag zu Ende, an dem wir Wissenswertes, Informatives, aber auch Amüsantes über „unser Stuttgart“ durch eine sehr kompetente Gästeführerin erfahren hatten.

  

Ursula Merz

 

Bilder zu dem schönen Bericht gibt es in der Bildergalerie

Cannstatter Zeitung - 27.06.2018
Cannstatter Zeitung - 27.06.2018